Online-Dating hat sich vom Mauerblümchendasein zu einer festen Größe in der Partnersuche entwickelt. In Deutschland haben aktuellen Erhebungen zufolge inzwischen mehr als die Hälfte der Internetnutzenden einmal den einen oder anderen Online-Datingdienst genutzt. Zugleich steigt die Zahl der Plattformen und App-Angebote, was die Auswahl nicht einfacher macht.
Wie verbreitet ist Online-Dating
Von 2003 bis 2017 hat die Zahl aktiver Nutzenden von Online-Datingportalen in Deutschland um mehr als fünf Millionen zugenommen, 2017 wurden etwa 8,6 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer gezählt. Einer repräsentativen Befragung von 2025 zufolge ist der Anteil der Personen mit Online-Dating-Erfahrung von 33 Prozent im Jahre 2022 auf 53 Prozent gestiegen. Am häufigsten werden Dating-Apps, klassische Singlebörsen und Online-Partnervermittlungen genutzt, zum Teil auch Dating-Funktionen in sozialen Netzwerken.
Die Nutzung erfolgt mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Während ein Teil der Nutzenden auf der Suche nach einer festen Partnerschaft ist, nutzen andere Singlebörsen eher für unverbindliche Kontakte, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder zur Vergrößerung des Freundeskreises.
Typische Plattformarten und ihre Charakteristika
Online-Dating-Angebote lassen sich grob in mehrere Kategorien unterteilen. Die klassischen Singlebörsen arbeiten mit Kontaktanzeigenprofilen und Suchfunktionen, sprich Nutzende können anhand von Kriterien wie Alter, Region, Interessen und Lebensstil andere Profile filtern. Online-Partnervermittlungen arbeiten häufig mit Matchingverfahren, die auf umfangreichen Fragebögen und bestimmten Persönlichkeitsprofilen basieren. Dating-Apps setzen auf eine schnellere, mobil zu nuzende Kontaktanbahnung, in der Regel mit einem stärkeren Fokus auf Spontaneität und geobasierten Vorschlägen.
Die Trennungen zwischen diesen Plattformarten sind oft nicht eindeutig und viele Plattformen bieten Mischformen, bei denen Matching-, klassische Such- und App-Funktionen kombiniert werden. Für sie sind relevante Fragen etwa:
- Wie viele Nutzer mit welchem regionalen Schwerpunkt sind auf der Plattform aktiv?
- Wie viel Überprüfung gibt es für die Profile?
- Wie transparent sind Preisgestaltung und Laufzeiten?
- Wie benutzerfreundlich ist die Oberfläche?
- Wie gut sind die Filterfunktionen?
- Wie steht der Anbieter zu den Themen Datenschutz, Werbung und Sichtbarkeit des eigenen Profils?
Um sich eine Meinung zu bilden, sollten diese Punkte vor der Anmeldung geklärt werden.
Chancen und Risiken aus Sicht der Nutzer
Das Angebot an möglichen Partnern wird durch Online-Dating mit Sicherheit vergrößert. Das gilt vor allem für Menschen, die wenig Zeit für die Freizeitgestaltung haben oder in Gegenden wohnen, in denen es nicht viele Möglichkeiten gibt, Singles zu treffen. Zahlreiche Studien und Marktanalysen zeigen, dass viele Partnerschaften und Beziehungen heute online beginnen und später in den Alltag übertreten. So kann man schon vor dem ersten Treffen zentrale Fragen wie Lebensentwürfe und Beziehungserwartungen klären und so etwaigen Missverständnissen entgegenwirken. Risiken stehen dem gegenüber. Ein weiteres oftmals thematisiertes Problem ist die Diskrepanz zwischen Profil und Wirklichkeit, etwa aufgrund schönerer Bilder oder unaktueller Fotos. Hinzu kommt Ghosting (der Kontakt wird unfreiwillig abgebrochen, ohne jede Erklärung) sowie der Umgang mit Mehrfachkontakten, was emotional belastend und frustrierend sein kann. In wenigen Fällen kommt es zu Betrugsversuchen, bei denen Vertrauen aufgebaut wird, um dann mit finanziellen Forderungen zu kommen, wovor Verbraucherzententrale immer wieder warnen.
Nutzende können diesen Gefahren etwas entgegen wirken, z. B. durch:
- Sparsamkeit in der Preisgabe persönlicher Daten und finanzieller Informationen
- die Kommunikationskanäle der Plattform zu nutzen und nicht zu früh auf private Messenger umzusteigen
- Kritik an Geschichten zu üben, die mit Geldforderungen verbunden werden
- Erstes Treffen an neutralen Orten
Do’s and Don’ts für einen reflektierten Umgang
Wer die Welt des Online-Datings betritt, tut gut daran, mit realistischen Erwartungen ranzugehen. Plattformen eröffnen Begegnungsmöglichkeiten, versprechen jedoch ebenso wenig wie die Partnervermittlung auf dem Land schnelle Erfolge noch bestimmte Beziehungsvariationen. Hilfreich kann es sein, das eigene Profil so zu gestalten, dass wichtige Informationen über Lebenssituation, grobe Beziehungsvorstellungen und wichtige Bedingungen wie Kinder, Wohnort und berufliche Mobilität wahrhaftig und deutlich kommuniziert sind.
Sinnvoll sind:
- ein aktuelles und dem Leben entsprechendes Profilfoto
- ein Profiltext, der Interessen und Alltag nachvollziehbar macht, und nicht nur mit Standardsätzen arbeitet
- einige klare Angaben zu Rauchgewohnheiten, Kinderwunsch oder Wohnsituation, wenn dies nur so ist
- ein respektvoller Kommunikationsstil, auch wenn kein Interesse besteht
Nicht sinnvoll sind:
- beleidigende oder abwertende Kommentare, wenn kein Interesse besteht
- Zwang zu schnellem Treffen, wenn dies noch nicht gewünscht wird
- Mehrfachversprechen paralleler Exklusivität
- Nichteinhalten von klarer Absage und darauf hin immer wieder Kontaktversuche
Wer solches Verhalten erkennt, kann über die Meldefunktionen und Sperrlisten vieler Plattformen versuchen, problematische Konten einzuschränken.