Phubbing bedeutet, dass eine Person einem Smartphone mehr Aufmerksamkeit schenkt als ihrem Gegenüber und es dadurch in einer sozialen Situation übergeht. Der Begriff verbindet die englischen Wörter „phone“ und „snubbing“, also Telefon und Brüskieren. Beim Dating kann Phubbing etwa vorkommen, wenn jemand während eines Gesprächs wiederholt Nachrichten liest oder allein durch soziale Medien scrollt.
Problematisch ist dabei nicht jede Nutzung des Handys. Für die Einordnung zählen der Anlass, die Häufigkeit, die Dauer und die Frage, ob die Beteiligten noch miteinander im Kontakt bleiben.
Was ist Phubbing beim Dating?
Phubbing beschreibt das Übergehen eines Gegenübers durch Smartphone-Nutzung während einer direkten sozialen Begegnung. Das kann ein persönliches Date sein, aber auch ein Videoanruf, bei dem jemand erkennbar ständig auf ein zweites Gerät schaut. Der Begriff beschreibt das Verhalten und seine mögliche Wirkung, ohne automatisch eine bestimmte Absicht zu unterstellen.
Typisch ist, dass das Gegenüber anwesend oder synchron zugeschaltet ist, aber zugunsten des Smartphones übergangen wird. Eine verspätete Antwort in einem gewöhnlichen Dating-Chat ist deshalb in der Regel kein Phubbing: Bei asynchronen Nachrichten müssen nicht beide zur selben Zeit aufmerksam sein.
Woran lässt sich Phubbing erkennen?
Ein kurzer Blick auf das Display ist für sich genommen normalerweise noch kein Phubbing. Eher passt der Begriff, wenn das Smartphone eine laufende Begegnung deutlich oder wiederholt unterbricht. Mögliche Beispiele sind:
- Dein Date liest längere Zeit Nachrichten, während Du etwas erzählst.
- Eine Frage bleibt unbeantwortet, weil das Gegenüber ohne Erklärung auf dem Smartphone scrollt.
- Benachrichtigungen ziehen die Aufmerksamkeit immer wieder aus dem Gespräch.
- Während eines Videoanrufs beschäftigt sich die andere Person wiederholt mit einem zweiten Gerät und steigt erkennbar aus dem Austausch aus.
Wie eine Situation wirkt, hängt auch von den Erwartungen der Beteiligten ab. Was für eine Person eine harmlose Unterbrechung ist, kann bei der anderen als Desinteresse ankommen. Deshalb helfen starre Regeln oft weniger als eine kurze, offene Abstimmung.
Was ist kein Phubbing?
Manche Smartphone-Nutzung hat einen nachvollziehbaren Anlass und richtet sich nicht gegen das Gegenüber. Dazu gehören beispielsweise:
- eine angekündigte wichtige Nachricht oder ein möglicher Notfallkontakt,
- Erreichbarkeit wegen Betreuungspflichten,
- das kurze Prüfen einer Fahrverbindung, Adresse oder Terminzeit,
- ein gemeinsam angesehener Clip, ein Foto oder eine Karte,
- eine kurze Unterbrechung, die erklärt und mit dem Gegenüber abgestimmt wird.
Das Handy zu nutzen, um gemeinsam einen Inhalt anzusehen, ist etwas anderes: Beide stimmen sich ab und teilen den Moment. Einseitiges Scrollen kann dagegen Nähe und Gesprächsfluss unterbrechen.
Wie kann Phubbing beim Gegenüber ankommen?
Wiederholte Smartphone-Ablenkung kann den Eindruck vermitteln, dass das Gespräch oder die anwesende Person gerade weniger wichtig ist. Experimentelle und befragungsbasierte Studien bringen Phubbing unter anderem mit geringerer wahrgenommener Gesprächsqualität, weniger Verbundenheit und niedrigerer Beziehungszufriedenheit in Zusammenhang. Die Untersuchungen betrachten bestimmte soziale Situationen oder bestehende Paarbeziehungen. Ihre Ergebnisse erlauben daher keine sichere Vorhersage für jedes Date und jede Beziehung.
Ebenso wenig beweist ein Blick aufs Smartphone, dass jemand grundsätzlich desinteressiert oder respektlos ist. Gewohnheit, Nervosität, berufliche Erreichbarkeit oder die Sorge, etwas zu verpassen, können eine Rolle spielen. Diese Fear of Missing Out, kurz FOMO, ist ein möglicher Grund für häufiges Kontrollieren des Handys, aber keine Rechtfertigung dafür, persönliche Grenzen zu übergehen.
Phubbing ansprechen: klar, aber ohne vorschnelles Urteil
Wenn Du Dich beim Date übergangen fühlst, kannst Du zunächst Deine Wahrnehmung beschreiben, statt eine Absicht zu unterstellen. Das lässt Raum für eine Erklärung und macht zugleich Deine Grenze deutlich.
Mögliche Formulierungen sind:
- „Mir fällt auf, dass Du häufig aufs Handy schaust. Musst Du gerade für jemanden erreichbar sein?“
- „Ich verliere ein wenig den Faden, wenn Du nebenbei Nachrichten liest. Können wir das kurz klären?“
- „Wenn Du noch etwas Dringendes erledigen musst, können wir auch eine kurze Pause machen.“
Um selbst unbeabsichtigtes Phubbing zu vermeiden, kannst Du wichtige Erreichbarkeit zu Beginn erklären und Benachrichtigungen stummschalten, sofern das für Dich möglich ist. Musst Du eine Nachricht beantworten, reicht häufig ein kurzer Hinweis. Solche Absprachen gehören zu einer respektvollen Dating-Etikette, ohne dass daraus ein allgemeines Handyverbot entstehen muss.
Bleibt das Verhalten trotz eines klaren Hinweises bestehen, darfst Du für Dich entscheiden, ob die Situation noch angenehm ist. Du musst ein Date nicht fortsetzen, wenn Deine Grenze wiederholt missachtet wird.
Phubbing und Ghosting: Wo liegt der Unterschied?
Phubbing und Ghosting beschreiben verschiedene Formen von Distanz. Beim Phubbing findet eine Begegnung statt, doch eine Person richtet ihre Aufmerksamkeit wiederholt auf das Smartphone. Beim Ghosting bricht jemand den Kontakt ohne Erklärung ab und reagiert nicht mehr.
Der Kernunterschied: Beim Phubbing läuft die Begegnung weiter, beim Ghosting endet der Kontakt meist abrupt. Auch eine langsame Antwort im Chat ist weder automatisch Ghosting noch Phubbing. Dafür müssen Dauer, bisheriger Kontakt und die konkrete Situation berücksichtigt werden.
Fazit
Phubbing bezeichnet das deutliche oder wiederholte Übergehen eines anwesenden beziehungsweise synchron zugeschalteten Gegenübers zugunsten des Smartphones. Nicht jeder kurze und erklärte Blick aufs Display fällt darunter. Anlass, Häufigkeit, Dauer, Abstimmung und Wirkung helfen bei der Einordnung.
Wenn Smartphone-Nutzung den Austausch stört, ist eine ruhige Nachfrage meist hilfreicher als ein vorschnelles Etikett. So lässt sich klären, ob gerade wichtige Erreichbarkeit, eine Gewohnheit oder tatsächlich fehlende Aufmerksamkeit hinter der Unterbrechung steckt.
Quellen
- Varoth Chotpitayasunondh und Karen M. Douglas: The effects of “phubbing” on social interaction, Journal of Applied Social Psychology, 2018.
- Camiel J. Beukeboom und Monique Pollmann: Partner phubbing: Why using your phone during interactions with your partner can be detrimental for your relationship, Computers in Human Behavior, 2021.

