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Fake-Profil beim Online-Dating: Definition, Warnzeichen und richtiges Vorgehen

Olav Brunssen
aktualisiert: 7. Oktober 2026 20:36

Ein Fake-Profil ist ein bewusst irreführendes Nutzerkonto. Beim Online-Dating kann es eine vollständig erfundene Person darstellen, fremde Fotos oder Namen verwenden oder wesentliche Angaben zur Identität und zu den Absichten verschleiern. Nicht jedes Pseudonym und nicht jede unvollständige Profilangabe ist deshalb automatisch ein Fake.

Entscheidend ist das Gesamtbild: Soll das Profil andere gezielt darüber täuschen, wer dahintersteht oder weshalb Kontakt aufgenommen wird? Ein einzelner ungewöhnlicher Satz oder ein professionelles Foto reicht für diese Einordnung nicht aus.

Was macht ein Fake-Profil aus?

Fake-Profile können unterschiedlich aufgebaut sein. Manche zeigen eine vollständig erfundene Identität. Andere übernehmen den Namen, die Bilder oder persönliche Informationen eines realen Menschen. Daneben gibt es fiktive Profile, die von einem Plattformanbieter oder beauftragten Personen betrieben werden, obwohl sie wie echte private Kontakte wirken.

Ein Beispiel: Ein Profil verwendet Fotos einer fremden Person, nennt einen erfundenen Beruf und baut im Chat gezielt Vertrauen auf. Das Gegenüber glaubt, mit der abgebildeten Person zu schreiben. Tatsächlich verfolgt der Kontakt ein anderes Ziel, etwa persönliche Daten zu erhalten oder später Geld zu fordern.

Ein Pseudonym ist dagegen ein bewusst gewählter Name und kann die Privatsphäre schützen. Allein diese Nutzung bedeutet nicht, dass eine andere Person nachgeahmt oder das Gegenüber über die grundlegende Identität und Kontaktabsicht getäuscht wird.

Welche Hinweise können auf ein Fake-Profil hindeuten?

Ein einzelner Hinweis reicht nicht, um ein Profil als unecht einzustufen. Achte auf mehrere Auffälligkeiten und prüfe, ob sie zusammenpassen. Auch für scheinbare Widersprüche kann es harmlose Erklärungen geben.

Auffälligkeiten im Profil

  • Die Beschreibung bleibt sehr allgemein und enthält kaum persönliche Einzelheiten.
  • Fotos wirken wie Werbe- oder Katalogbilder oder zeigen offenbar unterschiedliche Personen.
  • Name, Alter, Beruf, Wohnort oder Lebensgeschichte ändern sich im Verlauf des Kontakts.
  • Das gleiche Foto erscheint bei einer Bildersuche in einem anderen Zusammenhang oder unter anderen Namen.
  • Das Profil verspricht ein Treffen, weicht konkreten Absprachen aber wiederholt aus.
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Auch manipulierte oder mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder sind möglich. Umgekehrt beweist ein ungewöhnlich wirkendes Foto nicht, dass eine Täuschung vorliegt.

Auffälligkeiten im Chat

  • Nachrichten wirken kopiert, passen nicht zu Deinen Fragen oder widersprechen früheren Aussagen.
  • Der Kontakt baut sehr schnell starke emotionale Nähe auf und setzt Dich dabei unter Druck.
  • Die Unterhaltung soll früh auf einen anderen Nachrichtendienst verlagert werden.
  • Fragen zielen rasch auf Deine Adresse, finanzielle Lage, Ausweisdokumente oder andere sensible Daten.
  • Ein unverbindlicher Videoanruf wird immer wieder mit wechselnden Begründungen abgelehnt.

Ein Videoanruf, eine Bildersuche oder ein angezeigtes Verifizierungsmerkmal kann zusätzliche Hinweise liefern. Keine dieser Prüfungen garantiert jedoch, dass sämtliche Angaben stimmen. Bilder und Videos lassen sich manipulieren, Konten können übernommen werden und auch echte Menschen dürfen persönliche Grenzen bei Videoanrufen setzen.

Geldforderungen und andere deutliche Warnsignale

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn jemand Geld, Gutscheincodes, Kontodaten, Kryptowährungen oder eine Beteiligung an einer angeblichen Geldanlage verlangt. Häufig werden dafür Notfälle, medizinische Probleme, eine blockierte Reise oder geschäftliche Schwierigkeiten geschildert. Ebenso ernst sind Drohungen mit intimen Bildern oder die Aufforderung, weitere Aufnahmen zu senden.

Über ein Fake-Profil kann ein finanzieller Betrug vorbereitet werden. Das Profil allein ist jedoch noch nicht mit einem solchen Betrug gleichzusetzen.

Fake-Profil, Catfishing und Identitätsmissbrauch: die Unterschiede

Fake-Profil ist der Oberbegriff für ein bewusst irreführendes Profil. Beim Catfishing wird über längere Zeit eine falsche oder stark verfälschte Online-Identität aufgebaut, häufig um eine emotionale Beziehung entstehen zu lassen.

Von Identitätsmissbrauch beim Dating spricht man, wenn Daten einer realen Person unbefugt verwendet werden. Dazu können Name, Fotos, Kontaktdaten oder weitere persönliche Angaben gehören. Nicht jedes Fake-Profil kopiert eine konkrete Person, und nicht jeder Identitätsmissbrauch findet beim Dating statt.

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Ein Romance Scam ist wiederum eine mögliche Betrugsform: Eine vorgetäuschte Beziehung oder Verliebtheit dient dazu, Geld oder andere Vermögenswerte zu erhalten. Die Begriffe überschneiden sich, beschreiben aber nicht dasselbe.

Was kannst Du bei einem verdächtigen Profil tun?

  1. Nimm Dein Unbehagen ernst. Du musst einen Kontakt nicht fortsetzen und keine Absage begründen.
  2. Sende keine sensiblen Inhalte. Dazu gehören Ausweiskopien, Bankdaten, Passwörter, private Adressen und intime Fotos oder Videos.
  3. Zahle nichts. Überweise kein Geld und kaufe keine Gutscheincodes oder digitalen Vermögenswerte für eine Person, deren Identität und Situation Du nicht verlässlich kennst.
  4. Sichere Belege. Erstelle Screenshots von Profil, Nutzername und Chat. Notiere URL beziehungsweise Profilkennung, Datum, Uhrzeit, Zahlungsdaten und bereits genannte Telefonnummern.
  5. Melde und blockiere das Profil. Nutze dafür die Meldefunktion der jeweiligen Plattform. Bei Drohungen solltest Du den Kontakt nicht durch weitere Zahlungen oder intime Inhalte fortsetzen.
  6. Hole Unterstützung. Wende Dich bei Geldverlust, Erpressung, Nachstellung oder konkreter Gefahr an die Polizei und gegebenenfalls an eine Verbraucher- oder Rechtsberatung.

Eine eigene, konfrontative Ermittlung ist nicht nötig und kann die Situation verschärfen. Wenn Du ein Treffen trotz verbleibender Unsicherheit erwägst, wähle einen öffentlichen Ort, organisiere Deine An- und Abreise selbst und informiere eine vertraute Person. Du kannst ein Treffen jederzeit abbrechen.

Was tun, wenn Deine eigenen Fotos oder Daten verwendet werden?

Sichere vor einer Meldung Screenshots mit Nutzername, URL, Datum und Uhrzeit. Dokumentiere außerdem die verwendeten Fotos, Profiltexte und Nachrichten, bevor das Konto möglicherweise gelöscht wird.

Melde das Profil als Nachahmung oder Identitätsmissbrauch und bitte die Plattform um Prüfung und Entfernung. Falls Freunde oder Bekannte von dem falschen Konto angeschrieben wurden, kannst Du sie knapp warnen, ohne die täuschenden Inhalte unnötig weiterzuverbreiten. Ändere Deine Passwörter, wenn nicht auszuschließen ist, dass eines Deiner Konten übernommen wurde, und aktiviere nach Möglichkeit eine Zwei-Faktor-Authentisierung.

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Werden Dein Name oder Deine Bilder unbefugt genutzt, können unter anderem das Namensrecht nach § 12 BGB und das Recht am eigenen Bild eine Rolle spielen. § 22 KunstUrhG sieht grundsätzlich eine Einwilligung für die Verbreitung oder öffentliche Zurschaustellung von Bildnissen vor; gesetzliche Ausnahmen und der konkrete Zusammenhang müssen berücksichtigt werden. Werden Menschen durch falsche Tatsachen zu Zahlungen veranlasst und dadurch am Vermögen geschädigt, kann außerdem Betrug nach § 263 StGB in Betracht kommen. Die bloße Erstellung eines falschen Profils erfüllt diesen Tatbestand nicht automatisch.

Diese allgemeine Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung. Bei fortgesetztem Missbrauch, Drohungen oder erheblichen Folgen ist eine individuelle Beratung sinnvoll.

Fazit

Ein Fake-Profil täuscht bewusst über eine Identität, wesentliche persönliche Angaben oder die tatsächliche Kontaktabsicht. Einzelne Auffälligkeiten sind kein Beweis. Mehrere Widersprüche, Geldforderungen oder Druck auf Deine persönlichen Grenzen solltest Du jedoch ernst nehmen. Sichere Belege, teile keine weiteren sensiblen Inhalte und beende den Kontakt, wenn Du Dich unwohl oder bedroht fühlst.

Quellen

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